Meine Kehlkopfentzündung hat mir eine unbequeme Frage gestellt

Vor ein paar Wochen war ich auf einem Body, Mind & Soul Event von Mindshift. Dort gab es einen Vortrag zum Thema Psychosomatik.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich zwar schon einmal mit dem Thema beschäftigt, aber eher oberflächlich. Während des Vortrags wurde mir jedoch einiges klar.

Nach der Geburt meiner kleinen Tochter hatte ich über Wochen hinweg starke Schmerzen in den Füßen. Teilweise fiel mir das Laufen schwer. Natürlich suchte ich nach einer körperlichen Ursache. Ich war beim Orthopäden, bei der Physiotherapie und ließ verschiedene Dinge abklären.

Doch niemand konnte wirklich erklären, woher diese Schmerzen kamen.

Während des Vortrags fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen.

In der psychosomatischen Betrachtung werden Fußschmerzen unter anderem mit Schwierigkeiten in Verbindung gebracht, in eine neue Situation hineinzuwachsen oder vor einer Situation „davonlaufen“ zu wollen.

Und plötzlich fragte ich mich:

Welche neue Situation gab es damals in meinem Leben?

Die Antwort lag eigentlich auf der Hand.

Ich war gerade Mutter von zwei Kindern geworden.

Ich musste mich in einer völlig neuen Rolle zurechtfinden. Ich war nicht mehr nur Mama eines Kindes. Plötzlich musste ich den Bedürfnissen eines Schulkindes und eines Babys gerecht werden. Ich musste meinen Alltag neu organisieren, meine Prioritäten neu setzen und mich selbst in dieser neuen Rolle finden.

Ob die Schmerzen tatsächlich psychosomatisch waren, kann ich natürlich nicht beweisen.

Aber was ich bemerkenswert finde:

Je mehr ich mich in meiner neuen Rolle als zweifache Mama zurechtfand, je mehr ich sie akzeptierte und meinen eigenen Weg darin fand, desto weniger wurden die Schmerzen.

Irgendwann waren sie verschwunden.

Diese Erfahrung blieb irgendwo in meinem Hinterkopf.

Als ich nun vor einigen Tagen die Diagnose Kehlkopfentzündung bekam, musste ich wieder an diesen Vortrag denken.

Und wieder begann ich, mich mit dem Thema Psychosomatik auseinanderzusetzen.

Natürlich weiß ich, dass eine Kehlkopfentzündung meist durch Viren, Bakterien oder andere körperliche Ursachen entsteht. Dennoch fand ich die symbolische Bedeutung des Kehlkopfs spannend.

Denn in der psychosomatischen Betrachtung steht der Kehlkopf häufig für die eigene Stimme, für Kommunikation und für Dinge, die unausgesprochen bleiben.

Und genau an diesem Punkt wurde es für mich interessant.

Denn während ich über meine aktuelle Situation nachdachte, wurde mir etwas bewusst.

Nach zwei Jahren Elternzeit bin ich in meinen Beruf zurückgekehrt. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Neue Strukturen, neue Abläufe, neue Dynamiken.

Und ich?

Ich habe mich ebenfalls verändert.

Während meiner Elternzeit habe ich angefangen zu schreiben. Ich habe meinen Blog aufgebaut, Bücher geplant, Ideen gesammelt und davon geträumt, irgendwann von meinen eigenen Projekten leben zu können.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich wieder das Gefühl, etwas zu tun, das mich wirklich erfüllt.

Seit meiner Rückkehr ins Büro spüre ich dagegen immer häufiger, dass mein Herz nicht mehr dort ist.

Ich erledige meine Aufgaben.

Aber die Begeisterung fehlt.

Die Vorfreude fehlt.

Das Gefühl, am richtigen Platz zu sein, fehlt.

Noch schwieriger ist das Gefühl, nicht mehr richtig dazuzugehören. Vielleicht bilde ich es mir ein. Vielleicht nicht.

Doch manchmal habe ich das Gefühl, nur noch das fünfte Rad am Wagen zu sein.

Und genau an diesem Punkt musste ich an die Bedeutung des Kehlkopfs denken.

Habe ich mir selbst längst eingestanden, dass ich einen anderen Weg gehen möchte?

Vielleicht.

Habe ich es laut ausgesprochen?

Nicht wirklich.

Vielleicht war die eigentliche Frage meiner Kehlkopfentzündung gar nicht:

„Warum bist du krank?“

Sondern:

„Warum sprichst du nicht aus, was du längst weißt?“

Heute weiß ich, dass ich nicht sofort kündigen werde. Meine Familie braucht Sicherheit und meine Projekte stehen noch am Anfang.

Aber ich habe aufgehört, mir einzureden, dass mein aktueller Job meine Zukunft sein muss.

Vielleicht ist er einfach mein Übergang.

Der Ort, der meine Träume finanziert, bis sie irgendwann auf eigenen Beinen stehen können.

Und vielleicht war genau diese Erkenntnis die eigentliche Botschaft hinter meiner verlorenen Stimme.

Wie siehst du das?

Glaubst du, unser Körper versucht manchmal, uns auf Dinge aufmerksam zu machen, die wir im Alltag überhören?

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