PMS, PMDS oder einfach eine Ehekrise?
Seit der Geburt meines zweiten Kindes, habe ich endlich einen regelmäßigen Zyklus. Etwas worauf ich jahrelang gewartet habe.
Früher hätte ich niemals gedacht, dass ich irgendwann erleichtert darüber sein würde, meine Periode pünktlich zu bekommen. Nach all den hormonellen Problemen, Schwangerschaften, Fehlgeburten und Chaos, das mein Körper über Jahre mitgemacht hat, fühlte sich ein regelmäßiger Zyklus fast wie ein kleiner Sieg an.
Nur hat dieser „Sieg“ inzwischen eine unangenehme Kehrseite. Denn mittlerweile merke ich jeden einzelnen hormonellen Wechsel. Und zwar nicht nur körperlich.
Schmerzen beim Eisprung? Ja.
Heftige Krämpfe? Ja.
Aber am schlimmsten ist die Stimmung danach.
Diese Tage, an denen ich plötzlich alles infrage stelle.
Meine Ehe. Mein Leben. Mich selbst.
Im Klartext:
Regelmäßig alle vier Wochen bin ich innerlich bereit, mich scheiden zu lassen, eine Wohnung zu suchen und komplett neu anzufangen.
Und nein – das ist nicht lustig gemeint.
Das Verrückte daran ist nämlich: In diesem Moment fühlt es sich vollkommen real an.
Nicht wie „Hormone“.
Nicht wie „ein bisschen PMS“.
Sondern absolute Überforderung mit meinem gesamten Leben.
Ich bin gereizt. Traurig. Emotional komplett erschöpft.
Kleine Dinge, die mich normalerweise kaum stören, fühlen sich plötzlich riesig an.
Ein falscher Satz. Unordnung. Lautstärke. Zu viele Anforderungen gleichzeitig.
Und als Mutter gibt es davon genug.
Zwischen Schultag, Baby, Haushalt, Job, Beziehung, Mental Load und nebenbei noch irgendwie man selbst zu bleiben, reicht manchmal schon eine Kleinigkeit, damit innerlich alles kippt.
Was mich zusätzlich stört?
Wie locker oft mit PMS umgegangen wird.
Da werden Witze gemacht:
„Haha, bestimmt wieder PMS.“
„Die hat bestimmt ihre Tage.“
„Frauen sind halt hormonell.“
Aber ehrlich?
Wenn Hormone dafür sorgen, dass du dich selbst kaum wiedererkennst, du dunkle Gedanken in dir trägst, dann ist das nicht einfach nur schlechte Laune.
Viele Frauen leiden still darunter.
Manche vielleicht sogar jahrelang, ohne es zu merken, dass es mehr sein könnte als „normales PMS“.
Denn es gibt eben auch PMDS.
Prämenstruelle dysphorische Störung.
Eine deutlich stärkere psychische Belastung rund um den Zyklus, über die viel zu wenig gesprochen wird.
Ich selbst stehe noch ganz am Anfang damit, mich intensiver auseinanderzusetzen.
Aber ich merke inzwischen, dass ich das ernst nehmen muss.
Was mir aktuell hilft:
- Ruhe.
- Meditation.
- Bewusste Pausen machen.
- Reizüberflutungen reduzieren.
- Meine Bedürfnisse ernst nehmen.
- Und meinem Körper mehr zuhören.
Trotzdem werde ich mir ärztliche Unterstützung suchen.
Weil ich glaube, dass wir Frauen lernen müssen, solche Themen ernster zu nehmen.
Ohne Scham. Ohne es klein zureden. Und ohne sofort als „überempfindlich“ abgestempelt zu werden.
Und vielleicht liest das hier gerade jemand und denkt sich:
„Genau so fühle ich mich auch.“
Dann kann ich dir sagen, du bist nicht allein damit.
Sollte es dir ebenfalls so gehen, dann lass dich bitte ärztlich beraten. Seit 2022 ist PMDS in der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation als gynäkologische Diagnose anerkannt.
